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Kommentar von Kay Gürtzig | 27.04.2011

Die Inszemierung überzeugt einfach – von der ersten bis zur letzten Minute.
Schon das ebenso gelungene wie clever gebaute Bühnenbild: Das Dreieck als bestimmendes Element der Dramaturgie wird direkt in die Formensprache der Kulisse übersetzt. Zwei dreikantige Prismen, eins übermannshoch als Wand oder Kammer, das andere reichlich kniehoch, lassen sich im Handumdrehen abwechselnd zu drei stimmigen Interieurs herumrollen, wie sie stilistisch unterschiedlicher kaum sein könnten und damit die Sollbruchstellen der Freundschaft der so ungleichen drei Männer wirkungsvoll unterstreichen. Auch drei „Sitzelemente“, je nach Charakter des Gastgebers zum kühl-modernistischen Ensemble oder zum plüschigen Sofa gruppiert – markieren die Spannbreite der persönlichen Lebenswelten.
Die Rollen schließlich scheinen den Spielern auf den Leib geschrieben, so präzise und intensiv schlüpfen sie in die Figuren hinein. Eine Bühnenpräsenz, die die Stunden des Stücks nirgendwo lang werden lässt. Man spürt die wachsende Lust am quälenden Bohren in den Wunden der jeweils Anderen. Kühl-maliziös der eine, poltrig-manipulativ der andere, weinerlich-konfliktscheu der dritte. Der Erwerb eines mehrere zehntausend Euro teuren „Kunstwerks“, das in seiner Reduziertheit des Kaisers neuen Kleidern vergleichbar ist, hat den Putz der Freundschaft abplatzen lassen, in der jeder die anderen für die Pflege des eigenen Egos benutzte. Das Unbehagliche des fragilen Gespinstes, das wider Erwarten auf dem Scherbenhaufen spielen die drei Akteure so greifbar, dass einen fröstelt. Großes Spiel, raumgebende Regie. Applaus.