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KULTURNEWS

Januar 2012

03
JANUAR
von Thüringer Theaterverband
am 03.01.2012

KULTURRAT THÜRINGEN KRITISIERT BERICHTERSTATTUNG DER ZEITUNGSGRUPPE THÜRINGEN

Die Praxis der Berichterstattung in den Tageszeitungen Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung über Kulturereignisse im Freistaat, insbesondere über die Theater, kritisiert der Kulturrat Thüringen ausdrücklich. Damit reagiert der Verband auf einen Brief von Steffen Mensching, Intendant des Theaters Rudolstadt.

Der Kulturrat stellt fest, dass sich die vor einiger Zeit begonnenen Umstrukturierungen innerhalb der Zeitungsgruppe Thüringen zunehmend negativ auf die Vielfalt der Medienlandschaft im Freistaat und den Meinungspluralismus auswirken. Der verstärkte Austausch von Artikeln zwischen den einzelnen Blättern TA, TLZ und OTZ führt zu einer Verarmung des kulturellen Diskurses. Da es zwischen den Redaktionen Absprachen von Terminen gibt, so dass nur noch ein Theaterkritiker zu Premieren etc. erscheint, findet ein publizistischer Wettbewerb kaum noch statt und die jeweiligen Zeitungen erlangen eine unerwünschte Monopolstellung.

Mit Sorge muss der Kulturrat konstatieren, dass die Redaktionen in ihrer Berichterstattung inzwischen stärker unterscheiden, ob sich ein Theater in den thüringischen Metropolen Erfurt, Weimar, Jena oder in den Kleinstädten befindet. Die ausgezeichnete Arbeit der kleineren Häuser wird nur noch in eingeschränktem Maß gewürdigt; das bedeutet, dass sie zunehmend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden. Die gravierenden kulturpolitischen Folgen liegen auf der Hand.

Darüber hinaus ist eine thüringenweit ausgewogene und gleichberechtigte Berichterstattung über alle Kultursparten wünschenswert und von großer Bedeutung.  Aus diesen Gründen bemüht sich der Kulturrat Thüringen um ein Gespräch mit der Zeitungsgruppe Thüringen.

Brief von Steffen Mensching, Intendant des Theaters Rudolstadt, an den Kulturrat Thüringen

Thüringen beruft sich auf den Status, Kulturland zu sein. Blickt man indessen in die Tageszeitungen des Freistaats, kommen einem Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieses schönen Anspruchs. Die großen Printmedien TA, OTZ und TLZ haben in den letzten Monaten Veränderungen in ihrem Profil und Erscheinungsbild durchgeführt, die den Stellenwert der Kultur – entgegen allen Lippenbekenntnissen – deutlich herabstufen. Das Ressort wurde in allen drei Blättern nach hinten verschoben. Einstmals als Aufmacher der Thüringenseiten an deutlich prominenter Stelle platziert, erscheint der Kulturteil nun auf der letzten Seite, nach Rubriken wie „Land & Leute“, dem Länderspiegel, einem Ratgeber- oder Anzeigen- und Annoncenteil. Mag diese Veränderung in ihrer Wirkung noch diskussionswürdig sein, so bedeutet eine weitere Maßnahme eine klare Reduktion der Kulturberichterstattung im Land.

Mehr und mehr geht man dahin über, Artikel und Kritiken der einen Zeitung modifiziert oder unverändert in den anderen Blättern nachzudrucken. Diese Methode – die man Gleichschaltung nennen müsste, wäre das Wort nicht historisch besetzt – begann in den Online-Ausgaben und wird jetzt in den Printversionen nachgeholt. Zudem scheint die gegenwärtige Praxis dahin zu tendieren, dass Theaterkritiker künftig nur noch in jene Standorte fahren werden, die im „direkten Verbreitungsgebiet“ der jeweiligen Zeitung liegen. Man zeichnet sich also nicht mehr für die Kultur im Kulturland verantwortlich, sondern nur noch für regionale Kulturräume. Ein solches Verhalten befördert Provinzialismus, verhindert Vergleich und eine anzustrebende kulturelle Vernetzung im Land. Für die Kulturbetriebe, namentlich die Theater des Freistaats, bedeutet das, dass die Begleitung durch die Presse immer mehr an Vielfalt einbüßt und zur Einstimmigkeit tendiert.

Damit nimmt man den Theatern, als sinnliche Experimentieranstalten zur Reflexion sozialer Realität nicht nur ein wichtiges Informationsmittel, sondern auch ein notwendiges kritisches Gegenüber. Die Folge: die Kommunikation zwischen dem Publikum und den Kunstbetrieben wird eingeschränkt. Die jeweiligen regionalen Zeitungen erlangen eine Monopolstellung, die niemandem gefallen kann. Einseitige Abhängigkeiten gefährden die Kunstfreiheit und schmälern das Niveau gesellschaftlicher intellektueller Auseinandersetzung. Auch politisch ist eine solche Entwicklung gerade im Osten Deutschlands das falscheste Zeichen. Pressefreiheit fordert und fördert den Pluralismus von Meinungen. Sie bildet das Fundament einer demokratischen Gesellschaft.

Aus genannten Gründen fordern wir, das Theater Rudolstadt, den Thüringer Kulturrat auf, sich an die Verantwortlichen der Zeitungsgruppe Thüringen zu wenden, mit der dringenden Bitte, die Meinungsvielfalt der kulturellen Berichterstattung auszubauen statt aus Effizienzgründen einzugrenzen. In einem Kulturland sollten Kunst und Kultur auch für die Presse mehr als Pflichtaufgaben sein.

[Quelle: Pressemitteilung Kulturrat Thüringen / www.kulturrat-thueringen.de ]



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