Home » Kulturpolitik » Kulturpolitische Meldungen

KULTURPOLITIK



zurück zur Übersicht
25
JANUAR
von Thüringer Theaterverband
am 25.01.2012
(Kommentare: 0)

APPELL DER THÜRINGER LANDESVERBÄNDE ZUR KLEINEN HAUSHALTSSPERRE

THÜRINGEN. 25.01.2012 /// Der Thüringer Theaterverband e.V., die Landesarbeitsgemeinschaft Spiel und Theater in Thüringen e.V. und die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur Thüringen e.V. fordern den Finanzminister Wolfgang Voß auf, rasch die avisierten Gespräche mit dem Kultusminister Christoph Matschie zu führen und die Kürzungsauflagen der kleine Haushaltssperre für Projektförderung im Kulturbereich zurück zu nehmen.

Unsere Landesverbände vertreten gemeinsam über 80 Einrichtungen und Initiativen mit über 3.500 Mitgliedern und etwa 2.000 ehrenamtlichen Helfern in Thüringen. In diesen soziokulturellen Zentren und Bühnen werden jährlich 4.300 Veranstaltungen für knapp 560.000 Besucher geboten. Es werden zudem jährlich über 1.600 Projekte und aktive Angebote für über 20.000 Kinder, Jugendliche und andere Generationen zur kulturellen Bildung und Teilhabe geschaffen.
Soziokulturelle Zentren und Kulturinitiativen sowie die freie Theaterszene repräsentieren einen wesentlichen Teil der kulturellen Vielfalt in Thüringen. Sie sind Orte der kulturellen und künstlerischen Bildung sowie aktiver Teilhabe für gesellschaftliches Engagement. Säulen der Arbeit sind dabei die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, aber auch mit Senioren und vor allem das Umsetzen generationsübergreifender Konzepte.

Bleibt die verhängte Bewirtschaftungsreserve von 20 Prozent bestehen, kommt es in den Bereichen der Breiten- und Soziokultur sowie der freien Theaterszene zu gravierenden Einschnitten, die letztlich nicht allein geplante Projekte, sondern vielmehr die Kontinuität der Angebote für engagierte Kinder, Jugendliche und Bürger, wie auch für benachteiligte Schichten in der Bevölkerung gefährden. Dies ist kulturpolitisch und gesellschaftlich ein katastrophales Signal, dessen Auswirkung für die freie Kulturszene und das bürgerschaftliche Engagement in Thüringen verheerend ist. Die Kürzung führt zur Existenzgefährdung von über 80 soziokulturellen Zentren, Bühnen und Kulturprojekten
in ganz Thüringen.

Nachdem insbesondere der breiten- und soziokulturelle Bereich seit mehreren Jahren substantielle Einschnitte erfahren hat, ist die Arbeitsfähigkeit von unzähligen Einrichtungen bei einer so eklatanten Kürzung nicht länger sichergestellt.

Die kleine Haushaltssperre bringt tiefe strukturelle Einschnitte mit sich, da es in den Einrichtungen und bei den Projektträgern keine Ressourcen gibt, mit denen eine solche Kürzung abgefangen werden kann. Selbst wenn im Laufe des Jahres die Gelder freigegeben werden, hilft das wenig, da die aktuelle und kontinuierliche Handlungsfähigkeit der Einrichtungen bedroht ist. Die Einrichtungen und Vereine brauchen Planungssicherheit.

Die im Zuge der Erarbeitung des Thüringer Kulturkonzeptes deutlich formulierte Bedeutung der kulturellen Bildung, der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie der sozialen und bürgerschaftlichen Initiativen für Thüringen wird mit dieser Entscheidung des Finanzministers deutlich negiert. Die in diesem Sinne aktive, freie kulturelle Szene sieht ihr bürgernahes, soziales und freiwilliges Engagement bedroht.

Auch die besondere Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements, welches kulturpolitisch längst erkannt ist, wird dadurch gravierend beschädigt. Die wichtige Rolle unserer Einrichtungen für ehrenamtliches und freiwilliges Engagement in Thüringen (bei über 2000 ehrenamtlich Aktiven und über 550.000 geleisteten Ehrenamtsstunden jährlich) wird somit gleichermaßen negiert. Kulturelles, ehrenamtliches Engagement braucht hauptamtliche Führung und eine finanzielle Absicherung. Dazu gibt es keine Alternative, weitere Einschnitte sind nicht zu verkraften.

Wir sehen hierzu dringenden Klärungsbedarf und fordern den Finanzminister Wolfgang Voß auf, die beabsichtigten Gespräche mit dem Kultusminister Christoph Matschie schnellstmöglich zu führen und die Kürzungsauflagen, insbesondere für die Projektförderung der kulturellen freien Szene zurück zu nehmen. Weiterhin erhoffen wir uns eine deutliche Unterstützung und Positionierung des Thüringer Landesparlaments.

gez. Kathrin Schremb (stellv. Vorsitzende Thüringer Theaterverband)
gez. Doreen Kneisel (Vorsitzende LAG Spiel und Theater Thüringen)
gez. Christoph Goelitz (Vorsitzender LAG Soziokultur Thüringen)


Einen Kommentar schreiben